Archive for the Klassik Musik Category

Linz, Wien und München mit dem Tonhalle Orchester Zürich

Posted in classical music, classical music concerts, classical music events, Klassik Musik, Klassische Musik, music, Musik, Uncategorized with tags , , , , , , , , , on September 13, 2010 by davidzinman

Auf romantischen Wegen nach Linz, Wien und München David Zinman dirigiert das Tonhalle Orchester Zürich mit Brahms & Buchbinder 1. bis 5. Oktober 2010

Anfang Oktober reisen David Zinman und das Tonhalle Orchester Zürich zusammen mit dem Pianisten Rudolf Buchbinder nach Österreich und Deutschland. Im Gepäck befindet sich ein reines Brahms-Programm mit dem sie im Brucknerhaus in Linz, im Musikverein Wien, mit zwei Konzerten, und im Gasteig in München auftreten.

David Zinman, der in den USA geboren und ausgebildet wurde, ist seit 15 Jahren Chef dirigent des Tonhalle Orchesters Zürich. Durch seine detailgenaue und äußerst gründliche Arbeit mit dem Orchester konnten sie gemeinsam einen einzigartigen, international geschätzten Orchesterklang entwickeln, der sich durch ein hohes Maß an Musikalität auszeichnet.

Seine Aufnahmen mit dem Orchester sind weltweit geschätzt – allein die Einspielungen aller Sinfonien Ludwig van Beethovens wurden über eine Million Mal verkauft. Inzwischen hat Zinman sämtliche Orchesterwerke Richard Strauss’, die vier Sinfonien von Robert Schumann, alle Konzerte für Klavier und Geige, sowie das Tripel-Konzert, die Romanzen und Ouvertüren Ludwig van Beethovens aufgenommen. Im November 2010 werden alle Sinfonien Gustav Mahlers in einer CD-Sammelbox herausgegeben, wobei dessen 9. Sinfonie in diesem Monat erschienen ist. Durch all diese Aufnahmen findet das Tonhalle Orchester
Zürich weltweit Anerkennung und Achtung.

Zusammen mit dem hochkarätigen Pianisten Rudolf Buchbinder wird das Tonhalle Orchester Zürich die beiden Klavierkonzerte von Johannes Brahms, op. 15 und op. 83, spielen. Buchbinder wird weltweit von allen großen Orchestern und Dirigenten eingeladen und ist regelmäßiger Gast bei den bedeutenden internationalen Festivals. In dieser Saison ist er „Artist in Residence“ bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Er wird in der Semperoper mit einem Konzertzyklus aller Klaviersonaten von Beethoven zu erleben sein.

Wenn David Zinman nicht das Tonhalle Orchester Zürich leitet, gastiert er bei allen berühmten Orchestern der Welt. Allein in dieser Saison wird er Konzerte mit dem London Philharmonic Orchestra, dem Orchestre de Paris, den Berliner Philharmonikern, dem Concertgebouw Orchester, den Münchner Philharmonikern und der Dresdner Staatskapelle dirigieren.

Zudem gibt David Zinman leidenschaftlich gern Meisterkurse für Dirigenten. Bereits vor 15 Jahren gründete er in Aspen die American Academy of Conducting. Jetzt plant er ein vergleichbares Programm für Zürich, der dieses Jahr angefangen hat.

Sein großes Interesse daran, junge Musiker zu unterrichten und sein Bedürfnis zu inspirieren und für klassische Musik zu begeistern, zeigt sich unter anderem in der überaus erfolgreichen Konzertserie „Tonhalle Late“: Seit sieben Jahren können junge Leute Konzerte in einer entspannten Atmosphäre um 22 Uhr hören und sich anschließend an der Bar oder beim Tanz bis zum frühen Morgen amüsieren.

PROGRAMME

LINZ 1.10.10 19.30 Brucknerhaus: www.brucknerhaus.at
Johannes Brahms
Klavierkonzert Nr.1.d-Moll op.15
Sinfonie Nr.4.e-moll op 98

3.10.10 19.30 Musikverein: www.musikverein.at
Johannes Brahms
Sinfonie Nr 1 c-Moll
Klavierkonzert Nr 1 d-Moll op 15
WIEN 4.10.10 19.30 Musikverein: www.musikverein.at
Johannes Brahms
Klavierkonzert Nr 2 B-Dur op 83
Sinfonie Nr 4 e-Moll op 98
MUNCHEN 5.10 20.00 Philharmonie im Gasteig www.gasteig.de
Johannes Brahms
Sinfonie Nr 1 c-Moll op 68
Sinfonie Nr 4 e-Moll op 98
LUGANO 8.10.10 20.30 Palazzo die Congressi www.lugano-tourism.ch
Johannes Brahms
Klavierkonzert Nr 1 d-Moll op 15
Sinfonie Nr 4 e-Moll op 98

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Für weitere Informationen:
Pippa Pawlik 0044-7976 301 443 oder pippapawlik@pppr.net

KKL LUZERN FESTIVAL DAVID ZINMAN AND TONHALLE ORCHESTRA ZURICH

Posted in classical music concerts, classical music events, Klassik Musik, music with tags , , , , , on September 13, 2010 by davidzinman

14 SEPTEMBER 19.30 AT KKL LUZERN FESTIVAL DAVID ZINMAN & TONHALLE ORCHESTRA ZURICH

Schoenberg’s late romantic Gurrelieder at the Lucerne & Montreux Festivals.

The Zurich Tonhalle Orchestra will appear as guest orchestra with the Suisse Romande Orchestra in Montreux on 12th September and at the Lucerne Festival on 14th September. The Gurrelieder will be performed under the baton of David Zinman.
Arnold Schoenberg’s greatest success in his lifetime was probably the original performance of his Gurrelieder on 23rd February 1913. He had worked for almost eleven years on the gigantic score, which draws on material from the middle ages: the legend of the Danish King Waldemar’s love for the beautiful Tove, a commoner, whom his jealous queen has murdered. The author Jens Peter Jacobsen had reworked this myth, in which the love triangle theme recalls the stories of Tristan and Isolde or Pelleas and Melisande, into a poem cycle. This formed the model for Schoenberg’s composition.

The performance will call for an orchestra of about 150 and a chorus of 200. The need for such huge forces is the reason the Gurrelieder aren’t heard more often. The last time the Zurich Tonhalle Orchestra performed them was in the Zurich Tonhalle at the end of September 1974 under the direction of Michael Gielen. Five years later they were heard in Zurich in a public rehearsal under Gerd Albrecht .

After more than 30 years this late romantic peak of the orchestral repertoire can be experienced again with the Zurich Tonhalle Orchestra and the Suisse Romande Orchestra conducted by David Zinman, the NDR Choir, the ladies of the Choeur du Théâtre de Genève, the Latvian State Academy Choir, together with the soloists Christine Brewer, Petra Lang, Stephen Gould, Andreas Conrad, Stephen Powell and Wolfgang Schöne.

The performances of the Gurrelieder take place in Montreux on Sunday 12th September 2010 at 6 pm in the Stravinsky Auditorium, as the last night of the Septembre Musical. Two days later on 14th September 2010 David Zinman and his musicians are guests at the Lucerne Festival.

Tickets: http://www.lucernefestival.ch/de/karten/programm/

Tonhalle Late 4te Juni 2010

Posted in classical music, classical music concerts, classical music events, Klassik Musik, music, Uncategorized with tags , , , on April 29, 2010 by davidzinman

Tonhalle-Orchester Zürich. Michael Sanderling, Leitung
Julia Fischer, Violine

Dmitri Schostakowitsch: Violinkonzert Nr. 1 a-Moll op. 99

ERSTES KONZERT IN DER SCHWEIZ – Jazzanova live Feat. Paul Randolph + DJ Sets (Berlin)

+ Jaime Fiorito (We Love)

mit Solisten des Tonhalle-Orchesters Zürich

Visuals: Projektil – visual art entertainment

Türöffnung 21 h, CHF 35.- /20.- (bis 25 J.), Konzertbeginn 22 h
Freitag, 4. Juni 2010. Tonhalle Zürich, Claridenstrasse 7, CH-8002 Zürich
http://www.tonhallelate.ch
http://www.jazzanova.com/
http://projektil.ch/

Internationaler Dirigierkurs David Zinman

Posted in classical music, classical music concerts, Klassik Musik, music with tags , , , , , , , , , , , , , on March 30, 2010 by davidzinman

Tonhalle-Orchester Zürich
Internationaler Dirigierkurs David Zinman
5. bis 8. April 2010
Zum ersten Mal gibt David Zinman einen internationalen Dirigierkurs in Europa.

Acht junge Dirigenten erarbeiten mit dem Tonhalle-Orchester Zürich anspruchsvolle Werke.
Höhepunkt für die Teilnehmer ist das öffentliche Abschlusskonzert am 8. April 2010.
David Zinman gibt erstmals einen international ausgerichteten Dirigierkurs in Europa. Der
Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich hat als Künstlerischer Leiter des Aspen Music Festivals
die American Academy of Conducting at Aspen (USA) international etabliert. Sein Wunsch war es,
auch in Zürich ein ähnliches Nachwuchsprogramm ins Leben zu rufen. Für den «Internationalen
Dirigierkurs David Zinman» haben sich 159 Dirigentinnen und Dirigenten aus aller Welt beworben.
Aus der Vielzahl der Kandidaten hat David Zinman acht Teilnehmer ausgewählt. Sie kommen aus
Argentinien, Italien, Venezuela, Bulgarien, Rumänien, den USA und der Schweiz. Die Dirigenten, die
zwischen 28 und 38 Jahre alt sind, haben alle bereits Meisterkurse bei anderen renommierten
Dirigenten besucht und Erfahrung im Orchesterdirigieren gesammelt.

Für die Teilnehmer des internationalen Dirigierkurses ist die Einladung eine Auszeichnung und eine
einmalige Chance, mit David Zinman und dem Tonhalle-Orchester Zürich arbeiten zu können. Das
Kursprogramm umfasst sechs anspruchsvolle und sehr verschiedene Werke: Beethovens 7. Sinfonie,
Schumanns 1. Sinfonie, Tschaikowskys 5. Sinfonie, Die Feuervogel-Suite von Strawinsky, Tänze aus
Galanta von Kodály und Le Tombeau de Couperin von Ravel. Den Kursabschluss bildet das öffentliche
Lunchkonzert am 8. April 2010 in der Tonhalle Zürich.

Interessierte Zuhörer können als Passivteilnehmer den gesamten Kurs gegen einen Unkostenbeitrag
von 50.– Franken mitverfolgen. Anmeldung bis 31. März. Eine limitierte Anzahl weiterer Zuhörer
kann den Kurs am 6. und 7. April kostenfrei besuchen. Diese Karten sind ab 23. März erhältlich. Die
Karten für das kostenfreie Lunchkonzert am 8. April 2010 können ab sofort an der Billettkasse
bezogen werden.
Der Internationale Dirigierkurs David Zinman wird von Frau Ruth Burkhalter unterstützt. Dank ihres
grosszügigen Engagements konnte allen acht Teilnehmern ein Stipendium gewährt werden.

Kontakt
Christine Albrecht
Tonhalle-Gesellschaft Zürich
Künstlerisches Betriebsbüro
Telefon +41 44 206 34 67
artistic@tonhalle.ch

Thomas Meyer Interview Mit David Zinman

Posted in classical music, classical music concerts, classical music events, Klassik Musik, music with tags , , , , , , on January 15, 2010 by davidzinman

Mahler 10 Interview David Zinman

Das persönlichste Werk Mahlers

David Zinman dirigiert Mahlers 10. Sinfonie in der Rekonstruktion von Clinton A. Carpenter.

TM: David Zinman, Sie bezeichnen die Sinfonien Gustav Mahlers ja als einen grossen, mehrteiligen Roman. Worum geht es in diesem letzten und zehnten Kapitel?

David Zinman: Es ist das traurigste Kapitel. Er sagt darin seiner Frau Alma Ade, spricht davon, wie desillusioniert er vom Leben ist, blickt in die Zukunft der Musik. Die Erweiterung der Tonalität wird an Orte führen, die man erst nach ihm erreichen wird. Das Werk hat, wenn wenn Sie sich Stücke von Berg, Britten oder Schostakowitsch betrachten, viele Komponisten stark beeinflusst.

TM: Die Zehnte setzt dort an, wo die Neunte aufhört: mit den Bratschen allein.

David Zinman: Genau. Es ist eine Fortsetzung. Mahler selber war ja so zufrieden mit der Form der Neunten, mit zwei langsamen Sätzen als Rahmen, dass er diese Idee wieder aufgriff. Das Eingangs-Adagio enthält den modernsten Moment in Mahlers Musik: ein Aufschrei, ein dissonanter Akkord, entstanden durch die Schichtung von Terzen. Danach folgen ein Scherzo, dann ein leichterer Satz, noch ein Scherzo und dann dieses grosse Finale. Er verwendete dabei auch Zitate aus seinen früheren Stücken, aber ich finde eigentlich, dass alle Mahler-Sinfonien die gleichen Motive verwenden. Es sind Charaktere in einem Roman, der immer weitergeht.

TM: Viele halten die Zehnte auch für Mahlers persönlichstes Werk.

David Zinman: Dem stimme ich zu. Obwohl natürlich alle sehr persönlich sind. Hier aber machte er am Rande der Skizzen kurze Notizen über sein Verhältnis zu Alma oder über seinen Todeskampf. Man hat gemeint, das Werk deswegen nicht aufführen zu dürfen, aber es stecken zu viele grossartige Momente darin…

TM: Nun hat Mahler das Werk ja nicht vollendet.

David Zinman: Er skizzierte es, aber er führte es nicht Ende. Und all diese verschiedenen Bearbeitungen, die im Lauf der Zeit entstanden sind und noch entstehen werden, sind nur Vermutungen darüber, was Mahler wohl getan hätte. Aber es ist nicht vollständiger Mahler. Nur der erste Satz ist fast fertig. Dennoch halte ich es für wichtig, dass das Stück aufgeführt wird, gerade auch im Kontext der anderen Sinfonien.

TM: Nun haben sich zwar einige Komponisten geweigert, dieses Werk fertigzustellen. Mehrere Musiker und Musikwissenschaftler hingegen haben sich daran gewagt, manche gleich mehrmals. Die Fassung von Deryck Cooke ist die bekannteste. Sie aber haben sich nun für eine andere entschieden, jene von Clinton A. Carpenter.

David Zinman: Cookes Version, die ja zunächst nur zur Lektüre dienen sollte, ist sehr klar. Aber weil die meisten Dirigenten bislang Cooke aufgenommen haben, wollte ich etwas anderes machen. Carpenter hat sich sein ganzes Leben mit dem Werk beschäftigt. Im Autograph gibt es viele leere Zeilen, und der Bearbeiter muss einiges hinzukomponieren. Carpenter übernahm deshalb viele Stellen aus anderen Sinfonien.

TM: Er geht auch am weitesten, indem er Akkorde ausfüllt und Stimmen hinzufügt.

David Zinman: Dadurch erhält seine Version mehr von diesem spezifischen Mahler-Klang. Carpenter hat wirklich mit diesem Werk gelitten, er hat mehrere Versionen hergestellt, bis endlich eine Aufführung mit Gordon Peters, einem Freund von mir, zustande kam. Danach nahm er weitere Änderungen vor. Es gibt natürlich auch hier Dinge, die ein wenig zweifelhaft sind. Und viele dieser Fragen sind selbst aufgrund des Manuskripts kaum zu entscheiden. Manchmal muss man die Partitur nach dem eigenen Verständnis aufgrund der Skizzen ändern. Es wird also aufregend, das Stück in dieser Fassung aufzuführen.

Das Interview führte Thomas Meyer.

Kasten TonhalleLATE

Es ist ja keineswegs selbstverständlich, dass ein so grosses und nicht unproblematisches Werk wie die Zehnte Mahler in einem TonhalleLATE-Konzert erklingt, bei dem anschliessend getanzt wird. Mutet David Zinman da dem jungen, wenig Mahler-erfahrenen Publikum nicht zuviel zu? Er habe mit der Sechsten bereits gute Erfahrungen gemacht, sagt er im Gespräch. Das Publikum habe die Aufführung genossen und auch die Botschaft verstanden. Wie damals werde er zuvor etwas (aber nicht zuviel) über das Stück erzählen, so dass die Hörerinnen und Hörer einige Anknüpfungspunkte hätten, und dann, so glaube er, werde das Stück ihnen keine Probleme bereiten.

Gustav Mahler. Sinfonie Nr. 10 (by Thomas Meyer)

Posted in classical music, classical music events, Klassik Musik, music with tags , , , , , on January 15, 2010 by davidzinman

Gustav Mahler Sinfonie Nr. 10

Das persönlichste Werk Gustav Mahlers, die unvollendet gebliebene Zehnte Sinfonie, kann nur mit mehr oder weniger befriedigenden Rekonstruktionsversuchen aufgeführt werden.

Als das «traurigste Kapitel» im grossen, zehnteiligen sinfonischen Roman Gustav Mahlers bezeichnet David Zinman diese Zehnte Sinfonie. Er sagt darin seiner Frau Alma Ade, spricht davon, wie desillusioniert er vom Leben ist, blickt in die Zukunft der Musik. Tatsächlich richtet er geradezu eine Botschaft an Alma: «Du allein weisst, was es bedeutet», notierte Mahler über den Schluss des Werkes. Eine schwere Ehekrise – Alma hatte sich verliebt – begleitete die Entstehung; sie ist dem Werk gleichsam eingeschrieben, und man hat über die genauen biografischen Bezüge spekuliert, soweit sie von Mahler nicht ohnehin durch eigene, sehr intime Eintragungen (oder vielmehr verzweifelte Ausrufe) vorgegeben sind. Wenn Arnold Schönberg fand, in der Neunten spreche kaum mehr ein Subjekt, so dringt dieses Subjekt hier auf höchst expressive Weise durch. Manche halten die Zehnte deshalb für Mahlers persönlichstes Werk.

Nach der Neunten, die im dreifachen Piano endete, die gleichsam verstummte, «weil alles gesagt ist» (Eggebrecht) – nach dieser bedeutenden Sinfonie also musste Mahler gleichsam wieder bei null anfangen. Der Anfang des Adagios bzw. des Werkes drückt dies aus. In der Mittellage, auf dem cis1 (dem enharmonisch umgedeuteten Des-Dur-Schluss der Neunten also gleichsam) beginnt eine rezitativisch freie, von Ferne an Tristan und Isolde erinnernde Linie der Bratschen – ausgerechnet also bei jenen im Orchester oft etwas belächelten, «unbedeutenden» Instrumenten. Ihnen, die in der Neunten die letzte Geste spielten, wird nun auch dieser Neubeginn anvertraut. Ihre einstimmige Melodie wird an formal wichtigen Schnittpunkten noch mehrmals auftauchen.

Diesem wägenden Beginn, einem Andante, antwortet das eigentliche Adagio, das mit einer weitgezogenen Violinmelodie (piano, aber sehr warm) beginnt und später in ihrer Umkehrung fortgeführt wird. «Mein zagend Denken und mein brausend Fühlen», wie Mahler in einem Gedicht an Alma formulierte, erscheinen also mit Andante und Adagio nebeneinander. Die Geigen führen zurück zum Bratschenunisono. Dieser zweite Neubeginn wird wieder vom Adagio fort- und durchgeführt und gesteigert. Bemerkenswert ist die dichte Polyphonie, die Mahler in diesem Satz aus einer einzelnen Linie aufbaut. Allmählich werden die Elemente beider Themen in einer Art Durchführung ineinander verwoben. In der Reprise scheint das Adagiothema mit seiner Umkehrung vereinigt. Die Musik will schliesslich verebben. Dreifaches Piano. Da hebt wie aus der Tiefe ein gewaltiger Choral in as-Moll an. Mehr noch: Dieser rauschhafte Klang reduziert sich zunächst, und plötzlich türmt sich ein dissonanter, Terzen aufschichtender Neuntonakkord auf, ein schmerzhaftes Gebilde, einzigartig in Mahlers Oeuvre von der Expressivität und von der Harmonik her, «ein Aufschrei, der modernste Moment in Mahlers Musik», wie Zinman meint. Dieser Akkord bildet den eigentlichen Kulminations- und Wendepunkt des Satzes. «Zusammen floss zu einem einzigen Akkord / Mein zagend Denken und mein brausend Fühlen.» Es folgt ein Abgesang; Fragmente eines Chorals, aber auch des Bratschenbeginns und des Adagiothemas scheinen auf, bevor die Musik entschwindet.

In den drei Mittelsätzen, die zusammen so lange dauern wie jeweils das Adagio bzw. das Finale, werden zwei längere Scherzi um einen zentralen kürzeren Satz gruppiert. Das erste Scherzo erscheint äusserlich etwas harmloser, aber wenn man mitzuzählen versucht, merkt man, wie das Metrum unruhig von Takt zu Takt wechselt. Den Gegensatz dazu bildet der Trioteil im «gemächlichen Ländler-Tempo»; die Reprise des eigentlichen Scherzo-Teils (der zuvor schon einmal in den Ländler eindringt) ist ihrerseits unterbrochen von jenen typischen Mahler-Momenten, in denen die Musik plötzlich «sehr ausdrucksvoll» innehält, als eröffne sich der Blick auf etwas anderes.

Insgesamt wirkt dieses erste Scherzo heiterer als das zweite, handfestere. Mahler notierte zu diesem: «Der Teufel tanzt es mit mir» und «Wahnsinn, fass mich an, Verfluchten! – vernichte mich, dass ich vergesse, dass ich bin! dass ich aufhöre zu sein, dass ich ver[].» Vom ersten Akkord an hat das Stück etwas Erschreckendes. Motive, die wir aus früheren Mahler-Sätzen kennen, werden auf verzweifelte Weise von einem ins andere Extrem getrieben. Die gemächlicheren Trioteile bieten da kaum Erholung. Über dem letzten Trommelschlag schrieb Mahler, Alma vor dem inneren Auge: «Du allein weisst, was es bedeutet / Ach! Ach! Ach! / Leb’ wol mein Saitenspiel! / Leb wol / Leb wol / Leb wol / Ach wol / Ach / Ach.» Die Musik durchwandert – nachdem wir in früheren Sinfonien himmlische Freuden erlebt haben – nun höllische Qualen oder zumindest Grotesken.

Entsprechend steht zwischen den beiden Scherzi ein Fegefeuer, das rätselhafte Purgatorio, einer der kürzesten Sinfoniesätze Mahlers überhaupt. Ursprünglich stand «Purgatorio oder Inferno» darüber, bis Mahler die Hölle wenigstens durchstrich, sodass die Idee einer Läuterung bestehen blieb. Seltsam ist, wie dieser Satz in seiner dreiteiligen Form locker, wenn auch unruhig an einem vorbeitanzt und so wenig Höllisches an sich hat, seltsam freilich auch, wie zum Schluss die Harfe alles Gehörte mit einer weiten Geste wegwischt.

Die gedämpften Trommelschläge des zweiten Scherzos setzen sich zu Beginn des Finales in einem unheimlichen und unerbittlichen Kondukt fort. Eine fliessende Flötenmelodie führt in eine hellere Stimmung. Der Kondukt des Anfangs kehrt zurück und leitet zum Allegro moderato über, das die gleichen Elemente beschleunigt und weitertreibt. In einer weiten Entwicklung fasst das Finale nochmals zusammen. Es blickt zurück, entwirft und verwirft Gedanken, treibt sich an, hoch hinauf und stürzt ab. Schliesslich erreicht es jenen so dissonanten Akkord aus dem ersten Satz und kehrt sogar zum Andante des ersten Satzes zurück. Die einstimmige Bratschenlinie wird nun freilich von den Hörnern intoniert. Dieses nun frei weiterentwickelte und immer langsamer werdende Adagio bildet den Abschluss des Werkes. Über die letzten, nochmals jäh auffahrenden Takte schrieb Mahler: «Almschi! für dich leben ! für dich sterben!»

Leicht zu deuten ist das Stück trotz der vielen Anmerkungen Mahlers nicht. Viele Fragen müssen offenbleiben, zumal die Zehnte ja unvollendet blieb. Sie blieb nur im Particell erhalten. «Statt eines Ganzen, abgeschlossen, wie ich geträumt, hinterlasse ich Stückwerk, Unvollendetes: wie es dem Menschen bestimmt ist.» Was Gustav Mahler 1907 zu den Mitgliedern der Wiener Hofoper sagte, trifft tragischerweise auch auf sein letztes Werk, die Zehnte Sinfonie, zu.

Bald stellte sich die Frage, ob man es fertigstellen könne, ja dürfe. Alma Mahler hatte von ihrem Mann die Weisung erhalten, das Manuskript zu vernichten, der sie aber nicht folgte. Bruno Walter, der das Manuskript als einer der Ersten zu Gesicht bekam, empfahl, es weder zu edieren noch es aufzuführen. Aufgrund finanzieller Probleme entschloss sich Alma Mahler dann aber doch dazu. Der Komponist Ernst Křenek sah als Erster die Skizzen durch, fand die Idee, das Werk zu vollenden zwar «damals schon widerwärtig», entschloss sich aber, immerhin das Adagio und das Purgatorio für die Uraufführung einzurichten. Vor allem am Purgatorio hatten nicht nur Křenek, sondern auch Alban Berg und die Dirigenten Franz Schalk und Alexander von Zemlinsky mitgearbeitet. Unverzüglich nach den ersten Aufführungen 1924 setzte Kritik ein. Das Purgatorio, bei dem weitaus mehr ergänzt werden musste, erwies sich bald als der schwächere Teil. Lange wurde deshalb das Adagio allein gespielt.

Unter den Komponisten, die man später um eine Vollendung des Werkes anging, waren immerhin Dmitri Schostakowitsch, Benjamin Britten und Arnold Schönberg. Es waren aber nicht die Komponisten, sondern die Musikwissenschaftler, die sich an die Arbeit wagten. Verschiedene Versionen entstanden, allen voran jene des Engländers Deryck Cooke, der bei der Arbeit immerhin die drei Komponisten Berthold Goldschmidt, Colin und David Matthews an seiner Seite wusste. Seine Fassung, die zunächst nur zur «Lektüre» bestimmt war, ist die bekannteste und meistgespielte. Weitere Versionen stammen vom russischen Dirigenten Rudolf Barshai, vom Engländer Joseph Wheeler, dem Amerikaner Remo Mazzetti, dem deutschen Schriftsteller Hans Wollschläger, vom Duo Nicola Samale/ Giuseppe Mazzucca und schliesslich vom Amerikaner Clinton A. Carpenter (1921-2005). Befriedigen kann letztlich keine völlig. «All diese verschiedenen Bearbeitungen, die im Lauf der Zeit entstanden sind und noch entstehen werden, sind nur Vermutungen darüber, was Mahler wohl getan hätte», meint David Zinman dazu.

Trotz vieler Einwände hält er es aber für wichtig, dass die Zehnte aufgeführt wird, «gerade auch im Kontext der anderen Sinfonien». Er hat bislang jeweils die Cooke-Version verwendet, aber weil die meisten Dirigenten diese Version bevorzugen, wollte er etwas anderes machen. «Carpenter hat sich sein ganzes Leben mit dem Werk beschäftigt. Im Autograf gibt es viele leere Zeilen, und der Bearbeiter muss einiges hinzukomponieren. Er übernahm deshalb viele Stellen aus anderen Sinfonien.» Carpenter ging in seiner Bearbeitung am weitesten, indem er Akkorde ausfüllte und Stimmen hinzufügte. Zinman: «Dadurch erhält seine Version mehr von diesem spezifischen Mahler-Klang. Carpenter hat wirklich mit diesem Werk gelitten, er hat mehrere Versionen hergestellt, bis endlich eine Aufführung mit Gordon Peters, einem Freund von mir, zustande kam. Danach nahm er weitere Änderungen vor. Es gibt natürlich auch hier Dinge, die ein wenig zweifelhaft sind. Und viele dieser Fragen sind selbst aufgrund des Manuskripts kaum zu entscheiden. Manchmal muss man die Partitur nach dem eigenen Verständnis aufgrund der Skizzen ändern. Es wird also aufregend, das Stück in dieser Fassung aufzuführen.»

Thomas Meyer

Literaturhinweis

Kurt Blaukopf: Gustav Mahler oder Der Zeitgenosse der Zukunft; München 1973.

Hans Heinrich Eggebrecht: Die Musik Gustav Mahlers; München 1982.

Jörg Rothkamm: Wann entstand Mahlers Zehnte Symphonie? – Ein Beitrag zur Biographie und Werkdeutung; in: Musik-Konzepte 106 «Gustav Mahler. Durchgesetzt?»; München (edition text + kritik) 1999.

Jörg Rothkann: Gustav Mahlers Zehnte Symphonie. Entstehung, Analyse, Rezeption; Frankfurt am Main (Peter Lang) 2003.

Henry-Louis de La Grange: Gustav Mahler; Paris, Fayard, 2007.

Interview mit David Zinman vom 2. Oktober 2009; abgedruckt im Magazin des Tonhalle-Orchesters Dezember 09/Januar 10.

Besetzung

Piccolo, 4 Flöten, 3 Oboen, Englischhorn, 3 Klarinetten, Klarinette in Es, Bassklarinette, 4 Fagotte (3. und 4. auch Kontrafagott), 4 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba, Pauken, Schlagzeug, 2 Harfen, Streicher

Entstehung

Komponiert im Sommer 1910, vervollständigt von Clinton A. Carpenter zwischen 1946 und 1983

Uraufführung

Uraufführung des Adagios und des Purgatorios am 12. Oktober 1924 in Wien mit dem Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Franz Schalk

Fassung von Clinton A. Carpenter am 8. April 1983 in Chicago vom Civic Orchestra of Chicago, einem halbprofessionellen Trainingsorchester des Chicago Symphony Orchestra, unter der Leitung von Gordon Peters

Tonhalle-Orchester Zürich

erstmals in Konzerten des Tonhalle-Orchesters Zürich

Zitat:

«Statt eines Ganzen, abgeschlossen, wie ich geträumt, hinterlasse ich Stückwerk, Unvollendetes: wie es dem Menschen bestimmt ist.»

Gustav Mahler am 7. Dezember 1907 zu den Mitgliedern der Wiener Hofoper